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Warum gibt es eigentlich überhaupt so viele Kirchen und Gemeinden?


Die unterschiedlichen Konfessionen und Denominationen entstanden im Wesentlichen aus folgenden Gründen (wiederkehrende Muster):

  • persönliche Unverträglichkeiten – Konflikte um Macht, ums Ego
  • theologische Streitigkeiten – Konflikte um unterschiedliche Auslegungen der Bibel
  • als Korrektur, als Gegenreaktion: Neue Gemeinderichtungen sorgten oft für eine Neubelebung nach einer Phase des allgemeinen Niedergangs oder der Einseitigkeit, sie sorgten für eine Wiederbesinnung auf verloren gegangene / vergessene / ignorierte Teile der Bibel oder des Glaubens

 

Wie gehen wir jetzt mit dieser Zersplitterung um?


1. Es gibt nicht die eine wahre Gemeinde!

Wir haben keinen Alleinvertretungsanspruch. Wir sind doch nicht die Einzigen, die ernsthaft und fröhlich ihren Glauben leben / mit Gott leben! Der Glaube verbindet Gott mit konkreten Menschen, an konkreten Orten, in einer konkreten Zeit. Glaube lässt sich variabel gestalten, deswegen funktioniert das schon seit 2000 Jahren so gut! Durch die Vielfalt der Gemeindelandschaft kann Gott unterschiedliche Menschen in unterschiedlichen Situationen, in unterschiedlichen Epochen, mit unterschiedlichem Hintergrund ansprechen und erreichen.

 

2. Wir sind keine Konkurrenz. Wir ergänzen uns.

Wer sich aus Glaubensarroganz abschottet, wird seltsam und einseitig.             Jede Gemeinderichtung hat Stärken und Schwächen. Wir ergänzen uns da gegenseitig. Zusammen ergibt sich ein buntes Bild. Wenn die Gesellschaft insgesamt immer weniger christlich geprägt ist, müssen die enger zusammenrücken, die sich zu Gott halten. Konkret: Wir sollten die eigene Identität klären (was macht uns aus? Wo sind wir stark?) – und dann gerne von anderen Impulse aufnehmen, die einem weiterhelfen (wo brauchen wir komplementäre Ergänzung durch andere?). Gut, dass wir sind, wie wir sind. Und gut, dass nicht alle Gemeinden und Kirchen so sind wie wir.

 

3. Wir sind bereits eins – in aller Unterschiedlichkeit.

Gott will gar keine homogene Gruppe von gleichgeschalteten Gläubigen, sondern er sieht uns Christen in allem Kuddelmuddel bereits als existierende Einheit; vgl. etwa Gal 3,28; Rö 12,4f; Eph 4,15/5,23; 1. Kor 12,27. Wir sind eins in aller Unterschiedlichkeit! Man kann man sich so vorstellen, dass alle Kirchen und Gemeinden letztlich alle dasselbe Lied singen, dieselbe Grundmelodie des Glaubens (etwa das apostolische Glaubensbekenntnis) – aber die Melodie jeweils in ihrem Stil interpretieren. Stilistisch lässt sich daraus ganz Unterschiedliches machen, man kann die Tonart ändern, das Tempo, das Metrum … Und in jeder Denomination gibt es einzelne Stimmen, die völlig schief singen… – aber die Melodie erkennt man wieder, sie bleibt im Grunde gleich.

 

4. Einheit drückt sich nicht in einer Einheitskirche aus, sondern im Zusammenspiel.

Auf der Erde werden wir keine Einheitskirche mehr erleben. Müssen wir auch nicht! Wir können als gläubige Christen getrost in verschiedenen Kirchen und Gemeinden sein, wenn wir uns innerlich verbunden wissen und das sichtbar gestalten (Christenrat, ProChrist, JesusHouse, Allianz-Gebetswoche, gemeinsamer Glaubensgrundkurs, on the move…). Vgl. Joh 17,21-23: gelebte Einheit ist ein Zeichen nach außen! Rupertus Meldenius: „Im Notwendigen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem Liebe“.

 

5. Es gibt Grenzen – der Kern muss klar sein…

Problematisch wird es aber da, wo – um das Bild von der gemeinsamen Grundmelodie aufzugreifen – eine Kirche / Gemeinde den Text komplett austauscht oder eine ganz andere Melodie spielt oder gleich ein komplett anderes Lied spielt. Die Grundmelodie muss erkennbar bleiben, sonst wird es schwierig.

 

Zum Weiterdenken:

  • Es gibt Trennendes und Gemeinsames zwischen den Denominationen. Worauf achte ich?
  • Wo kann ich bei Christen / Gemeinden anderer Prägung die gemeinsame Grundmelodie heraushören? Was ist mir fremd und warum?
  • Wie interpretieren wir als Baptisten die gemeinsame Grundmelodie des Glaubens? Wo sind wir stark, wo haben wir Lücken? Welcher Körperteil am Leib Christi sind wir, was bringen wir ein?
  • Wo brauche ich/brauchen wir Ergänzung?