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Lebensbilanz

Viele Menschen ziehen in fortgeschrittenem Alter Lebensbilanz (oder eine Zwischenbilanz des bisherigen Lebens). Man hält Rückblick auf das Erreichte, das Schöne und Besondere, auf Erfolge und Niederlagen. Welche Herausforderungen hat man gemeistert? Wo ist man gescheitert? Was steht unter dem Summenstrich? Man hinterfragt das Erreichte – und bewertet: „Ist mein Leben im Großen und Ganzen gelungen?“ / „Wo kann ich noch nachsteuern?“

In Psalm 71 hält ein alter Mensch Rückblick auf sein Leben, auf das Auf und Ab der Jahre. Ein Mensch im „Herbst des Lebens“, der in Schwierigkeiten steckt. Sein Körper baut ab. Er spürt seine eigene Schwachheit, er spürt Einsamkeit. Andere reden ihm ein, er wäre von Gott verlassen (71,11). Aber der Beter weigert sich, das so zu sehen. Weil seine Erfahrung dagegen spricht!

Sein Gebet, seine gebetete Lebensbilanz, bündelt Lebenserfahrungen. Gut, dass er sie mit uns teilt („Erfahrung ist das was man hat, nachdem man es gebraucht hätte!“). Es geht dabei um das bisherige Leben des Beters – aber eigentlich dann doch nur um einen Aspekt: wie Gott ihn auf seinem Weg begleitet hat. Er kramt dankbar in seinen Erinnerungen. „In der Not des Augenblicks denkt er an ein langes Leben unter dem Schutz Gottes zurück, das ihm in der Gegenwart hilft“ (Groß/Reinelt). So wie Samuel einmal einen Gedenkstein aufstellte mit den Worten (1. Sam 7,12): „Bis hierher hat uns Gott geholfen“… Nicht die eigene Lebensleistung des Beters steht im Mittelpunkt („Was habe ich gemacht und geschafft?“), sondern Gottes Zuwendung, Begleitung und Trost. Die Lebensbilanz des alten Beters wird so zum Rückblick auf gute Erfahrungen mit Gott.

Die Lebensbilanz aus Psalm 71 könnte man so zusammenfassen: Gott ist mit mir durch Höhen und Tiefen gegangen. Er wird auch weiter an meiner Seite sein. Die Erfahrung des Beters: Auch wenn ich tief unten angekommen bin, Angst habe, angegriffen werde – Gott ist nah und tröstet mich. Er formuliert es so (V. 16 Lukas): „Ich gehe einher in der Kraft Gottes des HERRN“. Er geht „mit Gott durch Höhen und Tiefen“.

Das ist die Lebenserfahrung, die er anderen weitergeben will. Als seinen Auftrag sieht er es an, seinem Umfeld von seinen Erfahrungen zu erzählen („ohne Lebensalter keine Lebenserfahrung, ohne Lebenserfahrung keine Weisheit, ohne Weisheit kein gelingendes Leben“ – Oeming/Vette).

Seine Lebensbilanz bringt ihn dazu, Gott zu danken. Er will die Gottesbeziehung wachhalten und pflegen.

Zum Weiterdenken:

  • Wenn über dein Leben eine Biografie erscheinen würde – welchen Titel würde sie tragen?
  • Wie fällt deine Lebensbilanz/Zwischenbilanz aus? (Was entscheidet über deine Lebensbilanz?)
  • Mit welchem Grundtenor erzählst du anderen aus deinem Leben? Welchen Stellenwert hat deine Gottesbeziehung dabei?
  • Welche Gründe hast du, Gott zu loben? Tust du es?