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Jesaja 58: Das Volk Gottes ist total unzufrieden mit ihrem Gott. Die Menschen erfüllen brav ihre religiöse Pflicht, sie beten und feiern Gottesdienst – aber Gott ignoriert sie weitgehend! „Wir tun doch alles, was man tun muss als frommer Gläubiger – aber Gott reagiert nicht!“  Da bekommt der Prophet Jesaja von Gott den Auftrag, ein paar Sachen geradezurücken.

 

1. Unsere Erwartungen an Gott

Jes. 58,2-3a: Gottes Volk erwartet von ihm Antworten, Wegweisung und Orientierung, Erfahrungen von seiner Nähe, seine Aufmerksamkeit und Hilfe. Und Gott schweigt, Gott bleibt äußerst zurückhaltend. Gott erfüllt ihre Erwartungen nicht! Juda geht von einer Art Automatismus aus: „Gott kriegt, was er sich wünscht (Fasten, Beten, Gottesdienstbesuch…) – und dann muss Gott uns doch auch unsere Wünsche erfüllen.“ Unausgesprochen denken manche Christen genauso: „Ich tue, was ich als Christ halt tun muss, dann muss Gott doch auch…“.

 

2. Gottes Erwartungen an uns

58,3b-5: Gott reagiert mit ein paar klärenden Hinweisen: „Glaubt ihr wirklich, ich bin beeindruckt, wenn ihr euch einen abquält beim Fasten? Glaubt ihr wirklich, ihr tut mir einen Gefallen, wenn ihr die frommen Vorschriften zwar formal erfüllt, aber euch innerlich weiter nur um euch und eure Interessen, eure Geschäfte, euren Streit kümmert?“ Gott macht deutlich: „Ihr denkt, ihr müsst eine fromme Leistung erbringen, meine Erwartungen erfüllen –  damit ich dann im Gegenzug eure Erwartung erfülle. Leute, da habt ihr was falsch verstanden!“ – „Ihr haltet euch für superfromm – aber wisst ihr überhaupt, was mich wirklich bewegt?“

 

58,6-7: Gott erklärt: „Wenn ihr mir wirklich eine Freude machen wollt, dann verzichtet nicht widerwillig aufs Essen, sondern dann esst ihr mal ein 4-Gänge-Menü mit einem Hungrigen, Einsamen, Verzweifelten – das fände ich toll.“  Fasten wird von Gott neu definiert als Festessen – mit anderen. Darauf muss man erst mal kommen! Das ist genau Gottes Stil – und sein Ziel.

Was ist Gott wichtig? Dass wir Verantwortung für andere wahrnehmen, dass wir in Liebe mit anderen Menschen umgehen. Dass wir andere so behandeln, wie Gott uns behandelt. Das ist der springende Punkt, wo Juda umdenken muss, wo wir vielleicht umdenken müssen: Hier in Jes 58 geht es nicht um menschliche Leistung für Gottes Gegenleistung, nein, andersherum: Der Mensch reagiert und ahmt nach, was Gott zuerst mit ihm gemacht hat! Basis für unser Handeln ist Gottes Handeln! Gott beschenkt uns! Der Mensch gibt „nur“ weiter und teilt, was Gott ihm geschenkt hat.

Jes 58 bringt hier ganz starke Bilder: Wir sollen …

  • Fesseln lösen, Gefangene befreien; Belastete erleichtern: Weil Gott uns befreit hat, können wir Menschen, die feststecken, belastet sind oder gefangen sind in Süchten, in falschen Verhaltensweisen, in einengenden Sichtweisen, in schwierigen Verhältnissen, in die Freiheit führen. Wir sollen dazu beitragen, dass sie aufatmen können, neue Schritte tun können, weiterkommen.
  • Hungrige versorgen: Weil Gott uns satt macht, können wir Menschen, die Hunger haben im wörtlichen oder übertragenen Sinn (ungestillte Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, nach Antworten /  hungriges Herz) mit versorgen! Wir haben nicht weniger, wenn wir teilen, Gott sorgt für Nachschub.
  • Heimatlose einladen: Weil wir bei Gott Heimat gefunden haben, ein Zuhause, können wir Gestrandete aufnehmen, Menschen in existentiellen Nöten, Menschen ohne geistliches Zuhause.
  • Nackte einkleiden: Weil Gott uns ein neues Leben, eine neue Identität gegeben hat, können wir abgestürzte Menschen mit kaputter Biografie und ramponiertem Image eine neue Chance geben!

Gott sagt: „so wie ich mit euch umgehe, sollt ihr mit anderen umgehen.“ Nicht als religiöse Pflicht, sondern als Reaktion auf das, was er uns Gutes getan hat. Nicht weil wir es tun müssen, sondern weil wir es genießen können, Gottes Liebe weiterzugeben. Neutestamentlich gesprochen (Mat 25, 31-46): Wir begegnen in Bedürftigen Christus. Öffnen wir uns mit unserem Reichtum nicht den Bedürftigen, verschließen wir uns auch Christus.

 

3. Gottes Versprechen an uns

58,8-12: Wir glauben so oft, dass wir nur weiterkommen, wenn wir uns um uns selber drehen. Gott verspricht unheimlich viel für unser Leben, wenn wir teilen, was wir haben, wenn wir konkret Menschen helfen, die es nötig haben:

  • Heilung: unsere Lebenswunden heilen, wenn wir uns nicht nur um uns Gedanken machen, sondern die Wunden anderer Menschen, so gut wir es können, verbinden.
  • Hilfe: dir wird von Gott geholfen, wenn du anderen hilfst.
  • Strahlendes Lebensglück („Licht“): Es macht fröhlich, nicht nur an sich zu denken.
  • Versorgung / Sättigung: paradox: du wirst satt, wenn du weitergibst.
  • Kraft: wer sich engagiert für andere, stellt sich in Gottes Dienst. Und Gott lässt seine Leute nicht hängen (Mat 7,2)
  • Wirkung („Frucht“): Wenn wir Teil von Gottes Handeln ist, bewirken wir viel.

Wir stehen in Verantwortung, mit dem, was uns anvertraut ist, gut umzugehen  – es gehört uns nicht, wir sollen es einsetzen – wir verwalten es nur. Erntedank heißt: Auf Gott reagieren und nachahmen, was er zuerst mit uns gemacht hat! Weil es uns gut tut. Weil es Spaß macht. Weil wir Christus im anderen begegnen, weil wir dadurch beschenkt werden.